2010 Abschied von Lareidas

Auf Ende Schuljahr 2009/2010 beendet das Schulheimleiter-Ehepaar  Ruth und Reto Laraida nach 29 Dienstjahren ihre Leitungstätigkeit in der  Langhalde.
Aus diesem Anlass erschien am 9. Juni 2010 im St.Galler Tagblatt folgender Artikel:

Kinder sind Edelsteine

Reto und Ruth Lareida vor dem Schulheim mit einem Langhaldenpony


Bild: Ralph Ribi

Abschied von der Langhalde. Am 31. Juli übergeben Ruth und Reto Lareida die Leitung des Evangelischen Schulheims an Hanspeter Luzi. 29 Jahre haben sie in der Langhalde gewirkt; das Heim für viele Kinder zum Daheim gemacht.

JOSEF OSTERWALDER

Abtwil. «Kinder sind die Edelsteine im Leben»; diesen Satz hat Reto Lareida einmal von seinem Vater gehört – um ihn nie mehr zu vergessen. Der Satz begleitet nicht nur ihn, er teilt ihn auch mit seiner Frau, die er in der Heilpädagogischen Ausbildung in Zürich kennengelernt hat; sie als Primarlehrerin, er als Sekundarlehrer.

«Evangelisch» als Auftrag
Für die Langhalde haben sie sich vor 29 Jahren gemeldet, weil ihnen die Ausrichtung des Schulheims entspricht. «Evangelisch» heisst es, weil es bewusst auf einer christlich-biblischen Grundlage erziehen will. Das Leiterehepaar sieht darin nicht eine fromme Etikette, sondern in erster Linie eine Verpflichtung: zu einem Welt- und Menschenbild, das jeden Menschen als ein einmaliges, einzigartiges Wesen begreift. Entsprechend diesem Ethos werden Kinder aus verschiedenen Konfessionen und Religionen aufgenommen. Voraussetzung ist nur, dass sie bereit sind, «sich in den von christlichen Werten und Traditionen bestimmten Schulheimalltag zu integrieren».

Im Zentrum die Kinder
Wenn Reto Lareida das «Organigramm» seiner Langhalde erläutert, zeichnet er zunächst einen Kreis: «Das sind die Kinder, die in der Langhalde wohnen oder hier im Sonderschulheim die Schule besuchen; sie stehen im Zentrum. Für sie sind wir da.» Um diesen innersten Kreis schliesst sich ein zweiter: «Das sind die schulischen Heilpädagogen und Sozialpädagogen. Sie verrichten die zentrale Arbeit. Auf sie kommt es ganz besonders an; auf ihr gutes Zusammenwirken.» Schulheim heisst ja, dass Schule und Heim, Bildung und Erziehung eng miteinander verbunden sind und jenen Raum schaffen, in dem die jungen Menschen gedeihen können. Schul- und Lebensbildung gehen Hand in Hand. Noch ist das Organigramm nicht ganz fertig. Es gibt zusätzlich einen äusseren, dritten Kreis. «Das sind die Heimleitung, die Verwaltung und die verschiedenen Dienste, wie zum Beispiel Hauswirtschaft und Küche. Sie schaffen die Voraussetzung, dass Heil- und Sozialpädagogen ihre Aufgabe möglichst gut ausüben können. Die Langhalde ist ein Sonderschulheim. Hier werden Kinder aufgenommen, die in der Regelschule durch ihr Verhalten aufgefallen sind und/oder unter einer Lernbehinderung leiden. Ihnen möchte das Heim die Chance bieten, ganzheitlich wachsen, sich körperlich und seelisch entwickeln zu können. Das heisst, dass die Erzieher bereit sind, auch auf grundlegende Fragen der Kinder einzugehen. «Manchmal ist man mit ein paar Kindern irgendwo im Garten beschäftigt und plötzlich tauchen Fragen nach dem Sinn des Lebens oder auch nach Gott auf», sagt Ruth Lareida. Dann gelte es, behutsam auf die Fragen einzugehen, nicht doktrinär, sondern so, dass das Kind weiterhin Lust am Suchen und Fragen hat.

«Erfülltes Leben»

Als das Heimleiterehepaar vor 29 Jahren seinen ersten Jahresbericht schrieb, zitierte es einen Satz des österreichischen Dichters Heinrich Waggerl: «Ein Mensch muss ins Ganze wachsen wie ein Baum, der sich streckt bis zum Äussersten seiner Gestalt und keinen Zweig in seiner Krone verkümmern lässt, den ihm der Himmel zu tragen erlaubt.» Wachsen, sich entfalten, diese Erfahrung wollten Ruth und Reto Lareida den Kindern schenken: das Gespür für das, was ein Leben zu erfüllen vermag. «Erfülltes Leben» – ein anspruchsvolles Erziehungsziel.

Face- oder Familienbook?

Lange Jahre haben Ruth und Reto Lareida Erziehungserfahrung gesammelt. Sie haben gespürt, wie sehr ein Heim einen Spiegel der Gesellschaft bildet. Was würden sie aus dieser Erfahrung heraus heutigen Eltern raten?
«Wichtig ist, dass die Heranwachsenden wirklich ein Nest haben, in dem es ihnen wohl ist, wo sie sich angenommen fühlen, wo Vertrauen herrscht, wo man Zeit hat füreinander hat und einander hilft. Wenn das gegeben ist, dann ist viel erreicht», sagt Ruth Lareida.
Und Reto Lareida fügt hinzu: «Wir müssen wegkommen von der ökonomischen Prägung des Lebens, bei der sich alles nur ums Geld dreht.» Vielleicht müssen Eltern auch bereit sein, den Gürtel etwas enger zu schnallen, um den Kindern ein warmes Daheim bieten zu können.
Man könne es vielleicht auf diese kurze Formel bringen: «vom Facebook zum Familybook». (J.O.)