2010 hundert Tage im Amt

Interview von Josef Osterwalder mit dem neuen Institutionsleiter
Tagblatt, 4. Nov. 2010

«Hier in der Langhalde können wir Buben und Mädchen ganzheitlich betreuen», sagt Hanspeter Luzi. Seit August leitet er das Schulheim, ihm zur Seite ein engagiertes Mitarbeiterteam.

Schulkinder fördern, das ist seit je der Beruf von Hanspeter Luzi. Bis zu seiner Wahl in die Langhalde hat er sich in Engelburg mit der Frage beschäftigt, wie lernschwache Kinder gestützt und begleitet werden können. Ziel war es dort, die betroffenen Schüler in der Regelklasse zu behalten, sie aber noch mit einem zusätzlichen Lernprogramm zu fördern.

Lernen und Wohnen
Jetzt, in der Langhalde, erlebt Hanspeter Luzi die Förderung von Buben und Mädchen in einer noch intensiveren Weise. Hier sind Schule und Heim quasi unter einem Dach. Lernen und Wohnen geschieht in der gleichen Umgebung. Zwischen Wohngruppe und Schulzimmer gibt es keinen langen Schulweg und noch weniger einen atmosphärischen Wechsel. Lehrpersonen, Betreuerinnen und Betreuer ziehen an einem Strick. «Die Langhalde ist eingerichtet für Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten und/oder Lernbehinderungen», sagt Hanspeter Luzi.

Der Weg ins Heim
Und wie kommt ein Kind zu ihm ins Schulheim? «Oft ist es so, dass Lehrerinnen oder Lehrer bei einem Kind feststellen, dass es in einer andern Umgebung weit grössere Lernchancen hätte.» Es kann sein, dass ein Kind sich in einer Klasse unwohl fühlt, sich nicht integrieren kann oder gemobbt wird. Manchmal ist es auch eine spezielle familiäre Situation, die zur Aufnahme ins Schulheim führt. «Die Gründe können ganz verschieden sein», sagt Hanspeter Luzi.
Was aber bei allen Kindern zutrifft: Die Aufnahme in das Heim wird nicht einfach verfügt, sondern mit Umsicht geplant. Es gibt lange Gespräche mit den Eltern, es gibt den Schnupperaufenthalt für das Kind. Man versucht, dass alle Betroffenen im Heimaufenthalt eine Chance sehen und positiv dazu stehen. «Wir sind ja keine geschlossene Anstalt», sagt Hanspeter Luzi, «wir können niemand hier festhalten. » Das Schulheim muss überzeugen.

Gute Trümpfe
Dazu hat es allerdings einige Trümpfe. Der eine ist das Schulprogramm, das eine massgeschneiderte Lernförderung zulässt. Die Schulkinder werden in drei Klassen mit je zehn Plätzen und in individuellen Lerngruppen betreut. «Wir übernehmen Verantwortung für eine umfassende Entwicklung von Kindern und Jugendlichen im Schulalter», heisst es im Leitbild. Die Langhalde will die Kinder also nicht nur beschulen, sondern ihnen zur persönlichen Entwicklung und individuellen Entfaltung verhelfen.
Ein zweiter Trumpf: Zum Programm der Oberstufe gehört eine intensive Vorbereitung auf das Berufsleben. Man achtet darauf, dass niemand das Schulheim verlässt ohne in eine Lehre oder ein anderes Anschlussprogramm eintreten zu können.

Verbundenheit
Sind also alle rundum glücklich? «Natürlich haben auch unsere Buben und Mädchen immer mal etwas auszusetzen», sagt Hanspeter Luzi; auch in der Langhalde gehören Fördern und Fordern zusammen. «Doch kaum haben sie das Schulheim verlassen, melden sich manche bald schon wieder für einen Besuch an. Dann spüren wir, dass wir es doch richtig gemacht haben.» Durch die Ehemaligen-Tage pflegen manche während vieler Jahre die Beziehung zum Schulheim.

Vor Hanspeter und Jolanda Luzi-Thoma haben Reto und Ruth Lareida während fast dreissig Jahren als Leiterehepaar die Langhalde geprägt. Stehen nun Veränderungen an? «Ich will erst einmal einen Jahreskreis miterleben, und wenn es etwas zu ändern gibt, dies mit dem Team zusammen behutsam angehen.»